Diese drei Verhaltensweisen solltest Du beim ersten Telefoninterview auf jeden Fall vermeiden!

Die Bedeutung der Inklusion in der heutigen Arbeitswelt

Definition des Begriffs Inklusion:

“Als soziologischer Begriff beschreibt das Konzept der Inklusion eine Gesellschaft, in der jeder Mensch akzeptiert wird und gleichberechtigt und selbstbestimmt an dieser teilhaben kann – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft, von Religionszugehörigkeit oder Bildung, von eventuellen Behinderungen oder sonstigen individuellen Merkmalen.“
(Vollständige Erläuterung)

Zahlen und Daten zur Beschäftigung von Arbeitnehmern mit Schwerbehinderung in Deutschland

Laut der REHADAT-Statistik gab es im Jahr 2015 in Deutschland 156.306 beschäftigungspflichtige Arbeitgeber. Beschäftigungspflichtiger Arbeitgeber zu sein bedeutet, dass man sich an die gesetzlich vorgeschriebene Anzahl an Beschäftigten mit Schwerbehinderung halten muss. Ab 20 Mitarbeitern gilt es, 5% der Arbeitsplätze mit Menschen mit Schwerbehinderung zu besetzen. Bis auf 40.127 Arbeitgeber haben diese Vorgabe alle erfüllt. Von Arbeitgebern, welche dem nur teilweise oder gar nicht gerecht werden, wird ein Schwerbehindertenausgleich verlangt.

Schwerbehindertenausgleich

Berechnet wird dieser wie folgt: Liegt der Arbeitgeber mit seiner Beschäftigungsquote von Schwerbehinderten zwischen 3-5%, zahlt er pro nicht besetzten Arbeitsplatz 115 EUR Schwerbehindertenausgleich. Bei einer Quote von 2-3% wird ein Ausgleich von 200 EUR pro Arbeitsplatz fällig, bei einer Quote unter 2% 290 EUR. Zu einer solchen Zahlung sind im Jahr 2015 93.893 Arbeitgeber aufgefordert worden. Hier sehen wir, dass unter den Arbeitgebern, welche zwar bereits Schwerbehinderte bei sich im Unternehmen beschäftigen, trotzdem viele noch unter den vorgegeben 5% liegen.

Hier sehen wir, dass unter den Arbeitgebern, welche zwar bereits Schwerbehinderte bei sich im Unternehmen beschäftigen, trotzdem viele noch unter den vorgegeben 5% liegen.

Leider ist Arbeitslosenquote bei Menschen mit Behinderung doppelt so hoch wie bei Menschen ohne Behinderung. Im Vergleich ging in den letzten Jahren die Zahl der Arbeitslosen bei nicht-schwerbehinderten stärker zurück, als die der Schwerbehinderten.

Welche Möglichkeiten gibt es für Schwerbehinderte auf dem Arbeitsmarkt?

Aktuell sind ca. 290.000 Schwerbehinderte in Behindertenwerkstätten tätig. Solche Werkstätten dienen der Integration in die Arbeitswelt. Dort wird Arbeit und Bildung angeboten, vornehmlich für verschiedene Handwerkliche Bereiche, wie zum Beispiel die Gärtnerei, die Kunststoffverarbeitung oder die KFZ-Technik. Bestimmt finden dort viele einen geeigneten Beruf, der ihnen Freude bereitet. Jedoch wird Behindertenwerkstätten nachgesagt, dass es sehr schwer sein soll, sie wieder zu verlassen und von den Sprung vom 2. Arbeitsmarkt auf den 1. zu schaffen, da viele der Berufsausbildungen nicht anerkannt sind. Leider ist auch die Bezahlung nicht immer ausreichend (zumindest wird kein Mindestlohn gezahlt), sodass viele Schwerbehinderte nach wie vor von Zuschüssen abhängig sind und Ihr Leben eben nicht frei gestalten können, ohne in finanzielle Not zu gelangen.


Integrationsbetriebe, in denen zur Zeit ca. 20.000 Menschen mit Behinderung tätig sind, bieten da eine bessere Option. Es gibt aktuell fast 650 solcher Betriebe in Deutschland. Hier ist das Zahlenverhältnis zwischen Menschen mit und solchen ohne Behinderung beinahe ausgeglichen – ca. 25-50%. Förderung und Weiterbildung sind feste Bestandteile der Maßnahmen. Integrationsbetriebe stellen besonders für Menschen aus Werkstätten eine Brücke in den 1. Arbeitsmarkt dar. Finanziell werden solche Integrationsbetriebe vom Staat unterstützt. Sie erhalten einen Anteil an der Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabe.

Warum halten immer noch so viele Betriebe die Quoten nicht ein?

In erster Linie liegt es daran, dass Vorurteile gegenüber den Schwerbehinderten existieren. Es stimmt, dass ein Mensch mit Schwerbehinderung immer in irgendeiner Form beeinträchtigt ist. Aber wie auch bei gesunden Menschen hat jeder seine Stärken und Schwächen und sucht sich im besten Fall einen Job, in dem seine Stärken gefordert werden. Genau wie jemand, der kein Blut sehen kann, sich nicht im Krankenhaus bewirbt, wird sich ein blinder Mensch nicht als Busfahrer bei der BVG bewerben. Egal ob mit oder ohne Behinderung, jeder hat seine Grenzen und das ist schlicht und einfach menschlich. Leider wird dies in vielen Fällen nicht gut genug durchdacht, sodass Betrieben der Auffassung sind, dass Menschen mit Schwerbehinderung weniger belastbar und nicht so leistungsfähig sind, wie Menschen ohne Behinderung.

Es sollte nicht diskutiert werden, ob eine Bilanzbuchhalterin im Rollstuhl besser oder schlechter ist, als eine ohne Rollstuhl, solange sie fachlich auf dem selben Niveau sind. Ebensowenig stellt sich die Frage der Verantwortlichkeit bezüglich eines barrierefreien Arbeitsplatzes. Nicht die Rollstuhlfahrerin behindert, sondern sie wird durch die fehlende Rampe oder den nicht existenten Fahrstuhl behindert.
Tatsächlich können viele Betriebe keine Schwerbehinderten bei sich beschäftigen, da es an entsprechender Vorrichtungen mangelt.
Eine weitere Hürde stellen die teils hohen Bearbeitungszeiten bei bei Ämtern und Behörden dar.  Ehe bestimmte Bescheinigungen und Anträge beim Amt durch sind, vergehen Monate. Die dadurch entstandene zeitliche Verzögerung trägt unter anderem dazu bei, dass Fristen nicht eingehalten werden können und  Schwerbehinderte länger arbeitslos sind, als Menschen ohne Behinderung.

Dazu kommt noch der Umgang untereinander. Kollegen könnten den Kontakt scheuen, da sie befürchten in eine unangenehme Situation zu gelangen. Zum Beispiel dann, wenn man dem blinden Kollegen als Antwort auf eine Frage zunickt oder zur Begrüßung die Hand hinhält.  Aber warum existiert diese Scheue? Warum ist es für uns nicht normal, mit Schwerbehinderten zu interagieren? Warum schauen wir länger und häufiger jemanden hinterher, wenn seine Behinderung offensichtlich ist?
Wir sind es schlicht nicht gewohnt, da wir bereits im Kindesalter getrennt werden. Kinder mit Behinderung kommen auf eine Sonderschule. Von klein auf lernen wir also nicht, miteinander umzugehen, uns zu organisieren und gegenseitig zu respektieren, wie wir sind. An dieser Stelle ein “hoch” auf die immer präsentere Inklusion an Schulen und Kindergärten!

Mut zu mehr Inklusion!

Gerade Integrationsbetriebe zeigen, dass es möglich ist, Menschen mit verschiedenen körperlichen und geistigen Voraussetzungen, Stärken und Schwächen gemeinsam in einem Unternehmen zu beschäftigen. Auch in Betrieben, welche keine Integrationsbetriebe sind, stellt man fest, dass die Beschäftigung eines Menschen mit Schwerbehinderung eine sehr positive Auswirkung mit sich bringt. Vorurteile und Ängste werden abgebaut. Die Kollegen tauschen sich aus und setzen sich mit der Behinderung auseinander. Die Qualität der Arbeit hat ein hohes Niveau und die neuen Kollegen sind auch sehr motiviert. Denn eine Schwerbehinderung bedeutet nicht, dass ein Mangel an Intelligenz und Fleiß vorliegt. Unter den Arbeitslosen in Deutschland haben gerade die Arbeitslosen mit Schwerbehinderung deutlich höhere Abschlüsse als Arbeitslose ohne Behinderung. Auch die Befürchtung, dass Schwerbehinderte häufiger krank sein würden, kann an dieser Stelle zurückgewiesen werden, denn es wurde beobachtet, dass sich ihr Gesundheitszustand sogar verbessert!

Als Arbeitgeber kannst Du hierbei nicht verlieren. Du gewinnst tolle und interessante Persönlichkeiten für Dein Team, welche Dir durch ihre persönlichen Erfahrungen noch mal eine ganz andere Sichtweise und neue Ideen zu bestimmte Themen mitbringen.

Hast Du bereits Erfahrungen mit Kollegen mit Schwerbehinderungen machen dürfen? Bist Du vielleicht selbst der Mitarbeiter / die Mitarbeiterin mit Schwerbehinderung? Lass uns gern daran teilhaben und berichte von Deinen Erlebnissen.

 

Links zum Thema:

https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Behinderte/Tabellen/GeschlechtBehinderung.html

https://www.rehadat-statistik.de/de/berufliche-teilhabe/Beschaeftigung/BA_Schwerbehindertenstatistik/index.html

https://www.paychex.de/news-liste/die-schwerbehindertenausgleichsabgabe.html

http://www.juraforum.de/lexikon/beschaeftigungspflicht

http://www.inklumat.de/glossar/integrationsbetriebe